Star Wars: Epi­sode IX – Der Auf­stieg Sky­wal­kers

Star Wars: Epi­sode IX – Der Auf­stieg Sky­wal­kers

von Bet­tina Petrik

Wenn zwei sich strei­ten, lei­det der Fan

Oft ist es bekannt­lich ja so, dass sich ein Drit­ter freut, wenn sich zwei strei­ten … Beim zu Jah­res­ende in den Kinos anlau­fen­den, heiß ersehn­ten neuen Star Wars-Film ist lei­der das Gegen­teil der Fall.

Stür­mi­sche letzte Jahre

Um zu wis­sen, dass der letzte Star Wars-Film, Star Wars – Epi­sode VIII: Die letz­ten Jedi (2017), die Fan­ge­meinde gespal­ten hat, braucht man nur einen ein­zi­gen Blick auf Por­tale wie Rot­ten Tomatoes zu wer­fen, wo die Zuschau­er­be­wer­tun­gen inzwi­schen ein rela­tiv unter­ir­di­sches Maß von nur 43 % posi­ti­ver Fan-Bewer­tun­gen erreicht haben – so wenig wie kein ande­rer Film der Reihe bis­her. Mit der Vision, die Rian John­son (Looper) für die­sen Film und das Kult-Fran­chise hatte, waren ganz offen­sicht­lich viele der Film­zu­schauer nicht zufrie­den, und selbst Luke-Sky­wal­ker-Dar­stel­ler Mark Hamill äußerte sich in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach kri­tisch sei­ner Rolle in der aktu­el­len Tri­lo­gie gegen­über. Nach­dem 2015 Star Wars – Epi­sode VII: Das Erwa­chen der Macht (auf RT von den Zuschau­ern mit 86 % bewer­tet) einen guten Start bezüg­lich der neuen Filme hin­ge­legt hatte, auch wenn sowohl Fans als auch Kri­ti­ker bemän­gel­ten, dass das Werk mehr wie ein Auf­guss von Krieg der Sterne (1977) als ein Neu­be­ginn wirkte, hatte mit so einem der­ben Rück­schlag im Fol­ge­film bei Walt Dis­ney Pic­tures ver­mut­lich nie­mand gerech­net.

Die zwi­schen­zeit­lich her­aus­ge­brach­ten Antho­lo­gie-Filme Star Wars: Rogue One (2016) und Solo: A Star Wars Story (2018) waren für Stu­dio­be­griffe wohl auch nicht erfolg­reich genug, sodass wei­tere geplante Filme kur­zer­hand gestri­chen wur­den und man sich auch dank der Eta­blie­rung des Strea­ming-Diens­tes Dis­ney+ in die­sem Jahr mit sei­nen Plä­nen erst mal mehr aufs Fern­se­hen ver­legte. Durch­aus erfolg­reich, bis­her jeden­falls kommt das neue Zug­pferd The Man­da­lo­rian mit rund 93 % posi­ti­ver Fan­stim­mung auf RT wirk­lich gut an.

Ret­tung in Sicht

Die strau­chelnde aktu­elle Film­tri­lo­gie hin­ge­gen sollte wohl der Regis­seur ret­ten, des­sen Das Erwa­chen der Macht zumin­dest nicht die glei­che Bruch­lan­dung hin­ge­legt hatte wie einst Star Wars: Epi­sode I – Die dunkle Bedro­hung (1999) – die­ser fiel bekannt­lich auch bei den Kri­ti­kern durch, die sonst Star Wars-Fil­men im All­ge­mei­nen etwas wohl­wol­len­der als Hard­core-Fans gegen­über­ste­hen. Also wurde J.J. Abrams (Lost) noch ein­mal her­an­ge­karrt, um hof­fent­lich ein wei­te­res Desas­ter abzu­wen­den.

Und der brachte dies­mal nicht nur lieb gewon­nene alte Bekannte von sei­nen frü­he­ren Pro­jek­ten aus dem Phan­tas­tik-Genre wie Domi­nic Mona­g­han mit (der aller­dings, wie schon mal vor­aus­ge­schickt wer­den darf, eine extrem ver­zicht­bare Rolle im aktu­el­len Strei­fen bekom­men hat); es wurde auch schon vor Mona­ten gleich mal mit der Eröff­nung das Fan­dom in Auf­ruhr ver­setzt, dass in Star Wars: Epi­sode IX – Der Auf­stieg Sky­wal­kers mit Ian McDi­ar­mid alias Pal­pa­tine eine der belieb­tes­ten Figu­ren der alten Tri­lo­gien wie­der auf­er­ste­hen würde.

Dies­mal wollte man schein­bar ver­su­chen, gerade auch Alt-Fans mit ins Boot zu holen, nach­dem man viele von denen mit den Hand­lungs­strän­gen in den bei­den vor­he­ri­gen Fil­men ver­grault hatte. Etwa war es nicht nur Hamill sauer auf­ge­sto­ßen, dass es dank der Ermor­dung von Han Solo (Har­ri­son Ford) in Das Erwa­chen der Macht, dem nicht min­der abrup­ten Tod von Luke in Die letz­ten Jedi und nicht zuletzt auf­grund des tra­gi­schen, viel zu frü­he­ren Able­bens von »Prin­zes­sin Leia« Car­rie Fisher nicht eine ein­zige gemein­same Szene der gro­ßen Hel­den der ursprüng­li­chen Tri­lo­gie mehr geben würde.

Undurch­sich­tige Beweg­gründe

Der Ver­such der Scha­dens­be­gren­zung lag da in der Luft. Mit den sich bald meh­ren­den Gerüch­ten und Hand­lungs­spoi­lern im Netz befiel so manch einen als Beob­ach­ter und jahr­zehn­te­lan­ger Star Wars-Fan aller­dings auch eine nicht ganz so ange­nehme Ahnung. Und nach dem Genuss des Films fühlt sich zumin­dest die Autorin die­ses Arti­kels in die­sem Ein­druck bestä­tigt.

John­son hat bekannt­lich in Die letz­ten Jedi eini­ges von dem über den Hau­fen gewor­fen, was Abrams in Das Erwa­chen der Macht eta­bliert hatte – ange­fan­gen von den Andeu­tun­gen dar­über, wer die Eltern von Rey (Daisy Rid­ley) sind, bis hin zur völ­li­gen Demon­tage von Kylo Ren (Adam Dri­ver) und Supreme Lea­der Snoke (Andy Ser­kis). In Der Auf­stieg Sky­wal­kers nun wer­den all diese Kar­ten noch ein­mal völ­lig neu gemischt, aller­dings fühlt sich das in kei­ner Sekunde so an, als ob das von Anfang an der Plan gewe­sen wäre, son­dern als ver­suchte Abrams krampf­haft, neben der fast unmög­li­chen Her­aus­for­de­rung, gleich drei Tri­lo­gien zu einem befrie­di­gen­den Abschluss zu brin­gen, die Dinge wie­der so hin­zu­bie­gen, wie sie zu sei­ner Vision pas­sen.

Her­aus­ge­kom­men ist dabei ein völ­lig über­la­de­ner, kon­fu­ser und vor allem durch die­ses Hin und Her ein reich­lich see­len­lo­ser Strei­fen; einer, der dank eini­ger kon­tro­ver­ser Ent­schei­dun­gen ver­mut­lich auch dies­mal wie­der mehr Dis­kus­sio­nen, ver­letzte Fan­ge­fühle und Unfrie­den als Nut­zen bezüg­lich eines Fran­chise brin­gen wird, das die Zuschauer einst so enthu­si­as­tisch in Scha­ren an den Kino­kas­sen anste­hen ließ. Einer, der zumin­dest in den Augen der Autorin die­ses Arti­kels nicht ein­mal als seichte Berie­se­lung neben­bei dient.

Der Auf­stieg Sky­wal­kers ist schlicht und ergrei­fend ein schlech­ter Film. Dass sich diese Rezen­sion ab die­sen Zei­len ins tiefe Spoi­ler-Ter­ri­to­rium begibt, ver­steht sich von selbst.

Unge­schickte Repa­ra­tu­ren

Schon im Roll­text merkt man, wie radi­kal am Ende des unge­lieb­ten letz­ten Teils die Schere ange­setzt wurde. Da blei­ben erst mal große Fra­ge­zei­chen in den Augen zurück: Wann soll das denn bitte alles pas­siert sein? Die völ­lig aus dem Nichts kom­mende Hand­lungs­ebene des zurück­ge­kehr­ten Impe­ra­tors wird in die­sen paar Zei­len abge­han­delt. Dass Ren nun­mehr der neue Supreme Lea­der ist und den wie­der­auf­er­stan­de­nen Pal­pa­tine töten will, um allein über die Gala­xie zu herr­schen, erfährt man eben­falls recht abge­hackt aus die­ser Zusam­men­fas­sung. Und wenn man ganz pin­ge­lig gegen­über dem Ton des Fran­chise sein will, mag man schon den Wort­laut bemän­geln. Die rei­ße­ri­sche Schlag­zeile »Die Toten sind zurück« möchte sich nicht ganz in frü­here Roll­texte ein­fü­gen.

Die höchs­tens papier­dichte Hand­lung des Films könnte aus einem Video­spiel stam­men. So geht es im Grunde nur darum, dass Ren und Rey beide Pal­pa­tine töten möch­ten, dass Ren schon zu Beginn des Strei­fens erfährt, dass er von Pal­pa­tine die ganze Zeit getäuscht wurde und dass sowohl Snoke als auch Vaders angeb­li­che Stimme in sei­nem Kopf nur Mario­net­ten von die­sen waren. Im Laufe der Hand­lung sieht er ein, dass sein Leben dank die­ses schlech­ten Ein­flus­ses einen völ­lig fal­schen Ver­lauf genom­men hat. Da bleibt es Rey und ihm nur noch gemein­sam, dem Zom­bie-Impe­ra­tor den Gar aus­zu­ma­chen. Unter Auf­ge­bot aller Mächte des Guten wer­den Pal­pa­ti­nes im Lauf der Jahr­zehnte zusam­men­ge­sam­melte neue Streit­mächte gemein­sam mit jenen der Ers­ten Ord­nung ver­nich­tet. Ganz neben­bei erfährt der Zuschauer noch, dass einer von Reys Eltern­teile, die angeb­li­chen »Nie­mande«, ein leib­li­ches Kind von Pal­pa­tine selbst war, und Ren darf nach einem völ­lig über­stürz­ten Wie­der­gut­ma­chungs-Hand­lungs­strang den Hel­den­tod ster­ben.

Damit ist die Geschichte der neuen Tri­lo­gie aus­er­zählt.

Damit könnte man als Film­fan ver­mut­lich leben, trotz die­ser offen­sicht­li­chen Rela­ti­vie­rung von vie­lem, was den Fans im letz­ten Teil so sauer auf­ge­sto­ßen ist, wel­che Lukes offene Aus­sage beinhal­tet, dass er mit sei­nem Rück­zug bis zu den Ereig­nis­sen von Die letz­ten Jedi einen Feh­ler gemacht hat. Das Haupt­pro­blem, das viele Alt-Fans mit der neuen Tri­lo­gie haben, bleibt sicher­lich, dass diese ein so düs­te­res Bild der alten Hel­den zeich­net und spä­tes­tens mit der Auf­er­ste­hung Pal­pa­ti­nes schlicht und ergrei­fend alles umsonst war, was die Geschichte und Opfer von Ana­kin Sky­wal­ker und der alten Rebel­lion einst bedeu­tet haben.

Trotz­dem könnte man damit ver­mut­lich noch umge­hen, wenn Der Auf­stieg Sky­wal­kers nicht so wirr, lieb­los und effekt­hei­schend erzählt wer­den würde.

Eine trau­rige Liste

Eins der Haupt­pro­bleme kris­tal­li­siert sich schon in den ers­ten Minu­ten her­aus, begra­ben lie­gend in der Prä­sen­ta­tion. Der Auf­stieg Sky­wal­kers rennt von einem Schau­platz zum nächs­ten, lässt kei­ner­lei Luft zum Atmen, prä­sen­tiert eine durch­aus dra­ma­tisch ange­hauchte Szene nach der ande­ren, ohne dass diese auch nur ansatz­weise ihre Wir­kung ent­fal­ten kön­nen bzw. große Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen. Die meis­ten Ver­luste, um die man in den defi­ni­tiv viel zu lan­gen 141 Minu­ten trau­ert, sind spä­tes­tens bei Fil­mende längst rück­gän­gig gemacht.

Diese feh­lende Sub­stanz ver­sucht man mit aller­lei Cameos und Eas­ter Eggs zu fül­len, deren schiere Anzahl es aller­dings schwer macht, sie zu genie­ßen. Falsch ver­stan­de­ner Fan­ser­vice hört bei Der Auf­stieg Sky­wal­kers nicht damit auf, dass man ver­sucht, zu viele Leute zufrie­den­zu­stel­len. So rich­tig freuen kann man sich da nicht ein­mal über einen letz­ten Auf­tritt von Solo, auch wenn die­ser ver­mut­lich im Kon­text noch am meis­ten Sinn von allen macht. Ein Allein­stel­lungs­merk­mal hätte hier aller­dings bes­ser getan.

Aber auch inhalt­lich gibt es Schwä­chen, die den Film­ge­nuss ein­fach zu sehr stö­ren, und Logik­lö­cher, über die man nicht hin­weg­se­hen kann. Auch wenn die Autorin die­ses Arti­kels ver­sucht, nicht allzu viel Poli­tik in ihre Rezen­sio­nen ein­flie­ßen zu las­sen und vor­sich­tig mit dem heut­zu­tage gern infla­tio­när gebrauch­ten Begriff »pro­ble­ma­tisch« umgeht … Man darf als Frau doch ein wenig die Augen dar­über ver­dre­hen, dass sich die als angeb­lich so stark und eigen­stän­dig (im Gesamt­bild aber lei­der doch sehr flach) auf­ge­baute Hel­din Rey schein­bar irgend­wann im Laufe der Tri­lo­gie in ihren ärgs­ten Wider­sa­cher ver­liebt zu haben scheint, und dass die bei­den am Ende tat­säch­lich lei­den­schaft­li­che Küsse aus­tau­schen, bevor Ren den Löf­fel abgibt und sich in Luft auf­löst, nach­dem er Rey mit sei­ner Lebens­en­er­gie wie­der­be­lebt hat … In die­sem Absatz allein stimmt so vie­les nicht, dass sich nun auch bei dem einen oder ande­ren Leser die Nacken­haare auf­ge­stellt haben mögen.

Ers­tens: Das Kli­schee der in die­sem Fall in Das Erwa­chen der Macht gefol­ter­ten Frau, die sich in ihren Ent­füh­rer und Fol­ter­meis­ter ver­liebt, ist bis zum Erbre­chen aus­ge­walzt und erfährt hier auch nicht ansatz­weise den respek­ta­blen Umgang, der so eine Dar­stel­lung ver­lan­gen würde. Ja, Ren hat sich im Laufe des Films inso­fern reha­bi­li­tiert, dass ihm seine Hand­lun­gen leid­tun und dass er Pal­pa­tine bekämpft, aber er ist und bleibt ein Mas­sen­mör­der, und das auch noch, nach­dem er zu Film­be­ginn von der Täu­schung erfah­ren hat. Die Lie­bes­ge­schichte zwi­schen zwei sich vor­her Has­sen­den ist kon­stru­iert, erzwun­gen, vom femi­nis­ti­schen Stand­punkt frag­wür­dig und hätte um eini­ges mehr Zeit gebraucht, um sich zu ent­wi­ckeln.

Zwei­tens: Nein, die Fähig­keit des Hei­lens mit der Macht ist keine Neue­rung, das gab es ansatz­weise in den alten Fil­men, aus­ge­präg­ter dann im alten Exten­ded Uni­verse, das aber Dis­ney bekannt­lich zuguns­ten der neuen Filme ein­ge­stampft hat. Nicht nur in Sachen Pal­pa­ti­nes Wie­der­auf­er­ste­hung hat man sich schein­bar daran doch noch recht gern bedient. Erstaun­lich ange­sichts der Tat­sa­che, dass Kath­leen Ken­nedy als aktu­elle Prä­si­den­tin von Lucas­film letz­tens sehr zur Ver­stim­mung vie­ler alter EU-Fans ver­lau­ten ließ, man hätte ja keine Bücher oder Comics, von denen man sich inspi­rie­ren las­sen könnte.

Mit den frü­he­ren Hei­ler-Zir­keln der Jedi hat diese neue, wie­der ein­mal beson­ders stark aus­ge­prägte Fähig­keit bei Rey und spä­ter auch bei Ren aller­dings nichts zu tun. Anstatt dass wie in den eins­ti­gen EU-Wer­ken Zel­len lang­sam mit Tele­ki­nese zur schnel­le­ren Hei­lung ange­regt wer­den, wer­den hier durch­ge­hende Stich­wun­den in Sekun­den­schnelle magisch geheilt, was im Gesamt­kon­text doch sehr über­zo­gen wirkt: [Edit: Inzwi­schen wurde klar, dass diese ver­stärk­ten Heil­fä­hig­kei­ten in der aktu­ells­ten Folge von The Man­da­lo­rian vor­ge­stellt wurde, also am heu­ti­gen Tage. Wie intel­li­gent das ist, so eine Neue­rung in einer Serie ein­zu­füh­ren, die im größ­ten Teil der Welt noch nicht ein­mal legal ange­se­hen wer­den kann, sei dahin­ge­stellt]. Woran Ren im End­ef­fekt übri­gens stirbt, bleibt wie so vie­les völ­lig offen, wobei er da ein sehr pro­mi­nen­tes zwei­fel­haf­tes Schick­sal teilt, zu dem die Autorin gleich noch kommt.

Drit­tens: Dass der Kör­per eines ein Macht-Nut­zers sich nach des­sen Tod auf­löst, ist kei­nes­wegs Stan­dard und vor allem bei Sith und dunk­len Macht-Nut­zern nicht üblich, da die­sen die ent­spre­chend gestal­tete Ver­bin­dung zur leben­di­gen Macht fehlt, die ein sol­cher Vor­gang vor­aus­setzt. Auch hier: Ren ist reha­bi­li­tiert, aber er hat den größ­ten Teil sei­ner Macht-Kar­riere als Sith ver­bracht. Nicht ein­mal Qui-Gon Jinn (Liam Nee­son) als unbe­streit­ba­rer Held sei­ner Zeit hat sich bei sei­nem Tod auf­ge­löst. Als Gegen­bei­spiel könnte man hier Darth Vader nen­nen, die­ser hatte aller­dings einen völ­lig ande­ren Zugang zur Macht.

Zur Auf­lö­sung der Ver­wir­rung trägt auch nicht bei, dass Leias Kör­per sich erst zusam­men mit Rens auf­löst, lange nach ihrem Tod. Eine zumin­dest ansatz­weise Erklä­rung sucht man hier ver­geb­lich. Dass die­ser Cha­rak­ter in die­sem Film sein Ende fin­den musste, war ange­sichts von Fishers Schick­sal kein nicht zu erwar­ten­der Spoi­ler. Und an die­ser Stelle darf man auch als Kri­ti­ker die Nach­sicht haben, dass logi­scher­weise Abrams nicht mehr mit viel Mate­rial arbei­ten konnte, um die Figur auf der Lein­wand gut dar­zu­stel­len. Ihr in kei­ner­lei Hin­sicht erklär­tes Able­ben wegen Schwä­che von – genau, von was? Man erfährt es nie – jedoch hin­ter­lässt eben­falls den sehr scha­len Nach­ge­schmack, dass man sie eben los­wer­den musste. Von Gän­se­haut und Trauer keine Spur.

Über­haupt stel­len die Todes­sze­nen ver­mut­lich die größ­ten Schwä­chen des Films dar. Als Pal­pa­tine Ren und Rey her­aus­for­dert, wirft er Rey mehr­mals an den Kopf, dass, wenn sie ihn tötet, er sein Ziel erreicht, weil sein dämo­ni­scher Geist sodann in ihren Kör­per über­ge­hen wird, da in ihm alle Sith aller Zei­ten ver­eint sind und sie sein Nach­komme ist. Selbst wenn man diese neue Kurio­si­tät in einen Kon­text mit dem Canon brin­gen könnte, führt sie sich dann selbst ad absur­dum, als in der Tat Rey Pal­pa­tine sein Ende berei­tet. Von Dämo­nen ist da jeden­falls weit und breit nichts zu sehen.

Halb­her­zig ver­sucht man dies damit zu erklä­ren, dass in Rey wie­derum alle Jedi leben, die es je gege­ben hat (in dem Kopf der jun­gen Frau muss es ganz schön über­füllt sein …), was Abrams neben­bei Gele­gen­heit für die nächs­ten paar Cameos in Audio­form gibt. Yodas und Obi-Wan Keno­bis Stimme sind hier natür­lich am her­vor­ste­chends­ten, die ande­ren wer­den sicher in den nächs­ten Tagen noch ent­hüllt wer­den. Zu die­sem Zeit­punkt ist man von dem Film schon der­ma­ßen über­la­den, dass ein­fach die Kraft fehlt, noch genau her­aus­hö­ren zu wol­len, wen man da in die­sem Stim­men­ge­wirr so aus­ma­chen kann.

Reys lücken­hafte Cha­rak­te­ri­sie­rung ist lei­der nicht das ein­zige Pro­blem der Figur: Rid­ley stößt in Der Auf­stieg Sky­wal­kers schau­spie­le­risch schmerz­haft an ihre Gren­zen. Ihre ein­sei­tige Mimik ver­mag die Sze­nen nicht zu ret­ten, die durch das viel zu hohe Tempo und die Über­la­den­heit keine Tiefe zu gewin­nen ver­mö­gen.

Ange­sichts all die­ser Pro­bleme ist es dann fast noch ein Luxus­pro­blem, sich über schlechte CGI zu beschwe­ren. Aber auch wenn der Film optisch im Gro­ßen und Gan­zen dem aktu­el­len Stand der Tech­nik ent­spricht und zusam­men mit der ganz ordent­li­chen Musik dies als Plus­punkt her­vor­ge­ho­ben wer­den darf, haben doch aus­ge­rech­net die mit emo­tio­nals­ten Sze­nen für unfrei­wil­lige Lacher in der Pres­se­vor­füh­rung gesorgt. Und das ist auch des­halb ärger­lich, weil das kein neues Pro­blem ist, son­dern eines, das schon in Rogue One kri­ti­siert wurde. Aus­ge­rech­net die Szene, auf die viele Leia-Fans schon sehr lange gewar­tet haben, der Rück­blick, wie Luke sie zur Jedi aus­bil­det, ist durch die ganz grau­same Umset­zung der ver­jüng­ten bzw. künst­lich erstell­ten Gesich­ter der bei­den Cha­rak­tere am Com­pu­ter unge­fähr so glaub­haft wie das CGI-Baby aus Brea­king Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht: Teil 2 (2012). Aua.

Ein wenig bes­ser gelingt das Auf­tau­chen der geal­ter­ten bei­den Geschwis­ter als Macht-Geis­ter in der aller­letz­ten Szene; hier ist nicht gleich zu erken­nen, ob diese noch mit Fisher abge­dreht wor­den war oder ob auch hier der Com­pu­ter zum Ein­satz kam. Schön ist das Bild alle­mal.

Eine trau­rig kurze Liste

Gab es auch Momente, die gefal­len haben? Wenige.

Einer der Höhe­punkte des Films ist sicher die Rück­kehr von Lando Cal­ris­sian (Billy Dee Wil­liams), des­sen Auf­tau­chen eine Szene sofort immer beherrscht, was nur noch mehr ver­deut­licht, wie sehr man in Sachen neue Hel­den eine ordent­li­che Cha­rak­te­ri­sie­rung ver­nach­läs­sigt hat, wenn die im Ver­gleich völ­lig ver­blas­sen.

Auch der Inter­ak­tion der Droi­den und deren dies­mal nicht völ­lig über­trie­be­ner Humor lockern das Gesamt­bild etwas auf und sor­gen trotz der ent­ner­ven­den Inkon­se­quenz von See-Three­pios (Anthony Dani­els) Hand­lungs­strang für emo­tio­nale Momente.

Hoff­nung für wei­tere, viel­leicht dies­mal bes­ser aus­ge­führte Pro­dukte aus dem Fran­chise machen krude, erneut lei­der viel zu wenig klar aus­ge­ar­bei­tete Andeu­tun­gen, dass die Macht sich lang­sam wie­der erholt (auch das wie­der eine Rela­ti­vie­rung von »die letz­ten Jedi«), da Finn (John Boy­ega) und einige Ex-Mit­glie­der der Neuen Ord­nung Anzei­chen auf Macht­sen­si­ti­vi­tät zei­gen. Zwar wirkt auch das for­ciert und kommt wie aus dem Nichts, man kann es sich aber zumin­dest ein wenig bes­ser her­lei­ten, auch wenn diese neuen Cha­rak­tere dank der über­has­te­ten Erzäh­lung im End­ef­fekt lei­der erst mal genauso ver­zicht­bar blei­ben.

Nach der ermü­den­den Debatte um eine – ver­mut­lich wie­der in Hin­blick auf die gro­ßen kon­ser­va­ti­ven Märkte – vom Team schon im Vor­feld pedan­tisch aus­ge­schlos­sene Lieb­schaft zwi­schen Finn und Poe Dame­ron (Oscar Isaac) war es zudem schön, wenigs­tens einen Kuss zwi­schen zwei der weib­li­chen Cha­rak­tere am Ende zu sehen, auch wenn man die­sen bei einem zu lan­gen Blin­zeln ver­pas­sen kann.

Und schließ­lich ist es doch bei aller Kri­tik ein sehr beein­dru­cken­des Bild und Leit­mo­tiv, das Abrams ver­mit­telt, wenn er dar­auf hin­weist, dass eine Dik­ta­tur einen immer glau­ben machen will, dass man allein sei und am Ende die Gala­xie Pal­pa­tine und der Neuen Ord­nung das Gegen­teil beweist. Es hat schon fast die epi­schen Aus­maße von Aven­gers: End­game (2019), wenn da am Ende aus allen Tei­len der Gala­xie Schiffe den Hel­den zu Hilfe kom­men, um die Geg­ner end­gül­tig zu besie­gen. Da gab’s dann kurz doch bei der Autorin die­ses Arti­kels auch Gän­se­haut und ein etwas schnel­les Blin­zeln.

Fazit

Ins­ge­samt jedoch bleibt ein über­wie­gend nega­ti­ver Ein­druck, der hier noch nicht mal in allen Punk­ten im Detail fest­ge­hal­ten wurde. Der Auf­stieg Sky­wal­kers ist ein Para­de­bei­spiel für gut gemeint ist nicht gut gemacht. Hier wurde von allen Sei­ten ver­sucht, krampf­haft etwas zu kit­ten, es zu vie­len Leu­ten recht zu machen, gleich­zei­tig gab es gefühlt einen schäd­li­chen Grö­ßen­ver­gleich zwi­schen John­son und Abrams, und her­aus­ge­kom­men ist am Ende ein Film, wie er die­sem Fran­chise ein­fach nur unwür­dig ist.

»Hilf uns, Baby Yoda! Du bist meine letzte Hoff­nung!«

 

Update 18.12.2019, 12:55 Uhr:

Zwi­schen­zeit­lich liegt auch für Der Auf­stieg Sky­wal­kers eine erste Bewer­tung (der Kri­ti­ker in die­sem Fall) auf RT vor. Der Score beläuft sich aktu­ell auf ein rekord­ver­däch­ti­ges Tief von 54 % …