The Man­da­lo­rian — Epi­sode 1.01 “Chap­ter 1”

The Man­da­lo­rian — Epi­sode 1.01 “Chap­ter 1”

Ich glaub, ich sitz im Kino

von Thors­ten Walch

Es ist soweit – für Legio­nen von Star-Wars-Fans vor­erst nur in den USA und in Europa in den Nie­der­lan­den hat das War­ten ein Ende: Mit The Man­da­lo­rian kommt mehr als 42 Jahre nach dem Start des aller­ers­ten Star-Wars-Films die erste Live-Action-Serie her­aus, die in dem einst­mals von George Lucas erson­ne­nen Uni­ver­sum ange­sie­delt ist (für wel­ches der mäch­tige Walt-Dis­ney-Kon­zern seit 2012 die Rechte besitzt). Ab dem 31. März 2020 soll es dann auch hier­zu­lande so weit sein und der neue Strea­ming-Dienst Dis­ney+ wird ab dann auch in Deutsch­land ver­füg­bar sein – Geduld, ihr jun­gen Pada­wane, ließe sich nun sinn­ge­mäß Meis­ter Yoda zitie­ren. Wir vom Corona Maga­zine jedoch konn­ten bereits einen ers­ten Blick in die neue Serie wer­fen und möch­ten den Lesern in der nach­fol­gen­den, zumin­dest weit­ge­hend Spoi­ler-freien Rezen­sion schon ein­mal ein wenig den Mund wäss­rig machen. Im Gegen­satz zu vie­len ande­ren popu­lä­ren Serien sowohl phan­tas­ti­scher als auch ander­wei­ti­ger Prä­gung haben die ein­zel­nen Epi­so­den übri­gens keine eige­nen Titel, son­dern sind in „Kapi­tel 1 bis 8“ unter­teilt – so viele Fol­gen soll die erste Staf­fel von The Man­da­lo­rian nun­mehr umfas­sen. Span­nen wir die Leser also nicht wei­ter auf die Fol­ter und beschrei­ben kurz den

Inhalt

Einige Jahre nach der Schlacht von Endor, der Zer­stö­rung des zwei­ten Todes­sterns und des (ver­meint­li­chen) Unter­gangs des galak­ti­schen Impe­ri­ums: In einer schmie­ri­gen Bar auf einem Eis­pla­ne­ten des Outer-Rim-Ter­ri­to­ri­ums ret­tet der namen­lose, in eine schwere Kampfrüs­tung aus dem nahezu unzer­stör­ba­ren Bes­kar-Stahl geschmie­de­ten Rüs­tung geklei­dete „Man­da­lo­rian“ (Pedro Pas­cal, Game Of Thro­nes) einen rep­ti­li­en­ar­ti­gen Huma­noi­den vor ein paar streit­lus­ti­gen Ali­ens. Aller­dings kann sich der Geret­tete nur kurz an sei­nem Glück erfreuen: Der Mando, wie Ange­hö­rige sei­ner krie­ge­ri­schen Kaste auch abge­kürzt genannt wer­den, ist ledig­lich auf das Kopf­geld aus, das auf die Gefan­gen­nahme des kei­nes­wegs unschul­di­gen Rep­ti­li­en­we­sens steht. Nach einem kur­zen unfrei­wil­li­gen Rund­gang durch des­sen Schiff friert der Man­da­lo­ria­ner den Gefan­ge­nen kur­zer­hand in Kar­bo­nit ein, was bereits meh­re­ren ande­ren Prä­mi­en­brin­gern wie­der­fah­ren ist. Anschlie­ßend bringt der Man­da­lo­ria­ner seine Beute auf einen ande­ren Pla­ne­ten, wo er sie Greef Carga (Carl Wea­thers, Rocky 1 bis 4) über­gibt, sei­nes Zei­chens der Chef der Kopf­geld­jä­ger­gilde. Carga bie­tet dem Man­da­lo­ria­ner auch direkt einen nächs­ten Job im Auf­trag eines namen­lo­sen Kli­en­ten (Wer­ner Her­zog, Jack Reacher) an, den er im Anschluss in Gesell­schaft von des­sen frag­wür­di­ger Leib­garde per­sön­lich trifft. Dort lernt er auch den ner­vö­sen Wis­sen­schaft­ler Dr. Pers­hing (Omid Abtahi, Ame­ri­can Gods) ken­nen. Der Kli­ent klärt ihn über den Auf­trag auf, bei dem er auf einer wei­te­ren Rand­welt ein unge­mein mäch­ti­ges Relikt auf­fin­den soll. Nach­dem der Man­da­lo­ria­ner seine beschä­digte Rüs­tung wie­der hat ver­voll­stän­di­gen las­sen, bricht er zum Ziel­pla­ne­ten auf. Bei Feucht­far­mer Kuiil (Nick Nolte, Head Full Of Honey), der dem schwei­ne­ar­tig aus­se­hen­den Alien-Volk der Ugnaughts ange­hört, besorgt er sich zunächst ein­mal ein ech­sen­ar­ti­ges Reit­tier und bricht dann zu einer her­un­ter­ge­kom­me­nen Sied­lung auf, in der sich besag­tes Relikt befin­den soll. Hier macht er die unfrei­wil­lige Bekannt­schaft des eben­falls als Kopf­geld­jä­ger täti­gen Kampf­droi­den IG-11 (Stimme: Regis­seur Taika Wai­titi, Thor: Tag der Ent­schei­dung), der sich auf der glei­chen Fährte befin­det wie er selbst. Nach­dem die bei­den sich not­ge­drun­gen mit­ein­an­der ver­bün­det haben, da sie ange­grif­fen wer­den, fin­den sie schließ­lich das gesuchte Objekt…

Kri­tik

…über das wir an die­ser Stelle keine wei­te­ren Worte ver­lie­ren wol­len, da wir ein­gangs ja eine wei­test­ge­hende Frei­heit von Spoi­lern ver­spro­chen haben.

Die Kri­tik an der Pilo­t­epi­sode zu The Man­da­lo­rian fällt dem Rezen­sen­ten unge­heuer schwer:

Von der ers­ten Sekunde der Lauf­zeit an erwar­tet den Zuschauer hier wasch­ech­tes Star Wars in Rein­kul­tur mit (frei­lich nach­ein­an­der) allen dazu­ge­hö­ri­gen Kom­po­nen­ten, rich­tig: Allen. Und dazu gehört, dass Star Wars von jeher ein wah­res Sam­mel­su­rium von Anklän­gen an seine vie­len Ein­flüsse in den unter­schied­lichs­ten Berei­chen der Popu­lär­kul­tur ist. Im Falle von The Man­da­lo­rian wird bereits in den ers­ten Minu­ten der Eröff­nungs­folge deut­lich, dass Showrun­ner Jon Fav­reau (Iron Man 1&2) ein rie­si­ger Fan des fil­mi­schen Wer­kes von Ser­gio Leone (1929–1989) ist, der bis heute als der „König des Italo-Wes­terns“ gilt. Dies war für Cine­as­ten auch außer­halb des phan­tas­ti­schen Films bereits den bei­den vorab ver­öf­fent­lich­ten Trai­lern zur Serie zu ent­neh­men. Und so kommt der schweig­same Held, der zumin­dest in der ers­ten Folge kein ein­zi­ges Mal sei­nen mar­tia­li­schen Helm abnimmt, daher wie eine mas­kierte Ver­sion von Clint East­wood oder auch Charles Bron­son, die beide Hel­den in Fil­men von Ser­gio Leone waren – wort­karg, knüp­pell­hart, kampf­be­reit und doch sei­nem ganz eige­nen Ehren­ko­dex fol­gend. Das Ambi­ente der Serie, das zum Teil wie eine futu­ris­ti­sche Ver­sion der Wes­tern­städte aus Spiel mir das Lied vom Tod oder Zwei glor­rei­che Halun­ken aus­sieht, wird nicht wenige „Wars­ler“ an die gefal­lene Tem­pel­an­lage auf dem Pla­ne­ten Jedha in Rogue One: A Star Wars Story erin­nern, die mit ihrem aus­ge­präg­ten „used Look“ ihrer­seits ihre Remi­nis­zen­zen zur Stadt Mos Eis­ley auf dem Pla­ne­ten Tatooine aus der Epi­sode IV auf­wies. Spä­tes­tens dann, wenn der Man­da­lo­ria­ner mit dem Ein­ge­hen von äußerst fra­gi­len Zweck­part­ner­schaf­ten beginnt, dürfte klar wer­den, dass wir uns hier auf der düs­te­ren und schmut­zi­gen Seite von Star Wars befin­den – und diese Erkennt­nis hält exakt bis zum Ende der Pilot­folge an, an dem sich dann plötz­lich auch die andere Seite des Ex-Uni­ver­sums von George Lucas offen­bart. Trotz der nur ver­gleichs­weise kur­zen Lauf­zeit der Epi­sode von knapp 40 Minu­ten wird summa sum­ma­rum eine ordent­li­che Menge an Action und Schau­wer­ten gebo­ten: Der Man­da­lo­ria­ner prü­gelt sich durch eine fins­tere Bar, bekommt es mit schreck­li­chen Mons­tern zu tun, ehe er sich wei­te­ren Fights gegen nicht­mensch­li­che Feinde gegen­über­sieht und der Zuschauer wird erst­mals einer Toi­lette im Star-Wars-Uni­ver­sum ansich­tig – und bei alle­dem erfah­ren wir eigent­lich so gut wie gar nichts über ihn, außer, dass er augen­schein­lich der glei­chen Krie­ger­kaste ange­hört wie der berühmte Boba Fett, wel­cher einige Jahre Screen-Time und 36 Jahre Real­zeit zuvor beim Sturz in die Grube des Sar­l­acc sein Leben ver­lor, und auch dem glei­chen Beruf wie die­ser – dem des Kopf­geld­jä­gers — nach­geht. Hand­lung und Sze­na­rio die­nen erst ein­mal ledig­lich der Ein­füh­rung in das neue Serien-Uni­ver­sum, ohne dabei zunächst große Hand­lungs­kom­po­nen­ten zu offen­ba­ren – schnelle Schnitte in einem Anfang, der sich bei alle­dem den­noch Zeit lässt. Und spä­tes­tens der Schluss der Epi­sode lässt den geneig­ten Star-Wars-Fan in über­wäl­tig­tem Stau­nen zurück, da man – wie schon erwähnt – nun­mehr wirk­lich alle Kom­po­nen­ten ver­baut hat, die die Saga in den letz­ten 42 Jah­ren sehens- und ver­eh­rens­wert gemacht hat. Und ist im Grunde genom­men bei alle­dem auch nicht schlauer als knappe 40 Minu­ten zuvor.

Nein, natür­lich wird man nicht alle Star Wars-Fans mit der Serie glück­lich machen. Vor allem nicht jene noto­ri­schen Nörg­ler, die schon Epi­sode VIII knapp zwei Jahre zuvor mit reich­lich Häme bedach­ten, obwohl der Film trotz sei­ner unbe­strit­te­nen Schwä­chen bei wei­tem nicht so schlecht war, wie viele ihn machen woll­ten und noch immer wol­len. Anders wird es lang­fris­tig auch The Man­da­lo­rian nicht erge­hen, da besteht nicht der geringste Zwei­fel. Viel wich­ti­ger als das jedoch ist, dass die Pilo­t­epi­sode ein gera­dezu unge­heu­res Poten­tial offen­bart – und davon alles andere als wenig. Allein die Schil­de­rung eines über­aus unsi­che­ren Star-Wars-Uni­ver­sums, in dem die Kunde von der Ver­nich­tung des galak­ti­schen Impe­ri­ums noch nicht in jeden Win­kel vor­ge­drun­gen zu sein scheint, lässt Gro­ßes für die nächs­ten Epi­so­den hof­fen – und dar­über hin­aus. Und die geheim­nis­volle Offen­ba­rung am Schluss von Kapi­tel 1 lässt unver­hoh­lene Vor­freude dar­auf auf­kom­men, wohin die Reise unse­ren Man­da­lo­ria­ner zumin­dest in der aller­nächs­ten Zeit füh­ren wird. Die Star-Wars-Saga, so scheint ist, ist somit um ein neues gro­ßes Aben­teuer rei­cher.